Ein Konzert zum Dahinschmelzen – Naturkonzert 2026

Naturkonzert 2026 - Chor International Potsdam in der Golmer Kirche

Wasserflaschen für das Publikum, Ventilatoren und feuchte Handtücher für erhitzte Chormitglieder, bloße Füße auf kühlen Steinfliesen: Jedes Mittel war uns recht, um diesen Auftritt am heißesten Tag des Jahres für alle so angenehm wie möglich zu gestalten. Bei Außentemperaturen um die 40 Grad bot die alte Kaiser-Friedrich-Kirche im Potsdamer Ortsteil Golm ein erträgliches Klima – und einen wunderbaren Rahmen für unser großes Naturkonzert mit Liedern rund um Pflanzen, Tiere, Jahreszeiten und Wetterphänomene. Daher auch hier ein herzlicher Dank an die Kirchengemeinde und namentlich an Hanna Löhmannsröben für ihre großartige Unterstützung.

Schon das „Frühlingslied“ von Mendelssohn Bartholdy kam zum Auftakt bei den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern gut an und ließ die Hitze draußen fast vergessen. Mit einem Stück der Romani und Werken aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA und Brasilien ging es weiter: Wir sangen von traurigen Maiglöckchen und wogenden Roggenfeldern, Bergthymian und Holunderblüten, von schmachtenden Grillen und schwirrenden Hummeln, vom Wind, den Sternen und dem Nordlicht.

Zwischendurch erklärte uns Antje aus dem Sopran, wie wir auf das Thema Natur gekommen sind: Bei einer Chorreise nach Terschelling. Die niederländische Insel hat uns mit ihrem schier endlosen Sandstrand, ihrer Fauna und Flora beeindruckt, wir haben die Kraft des Windes beim Singen im Freien gespürt und genossen. Dies hat uns noch einmal die doppelte Krise aus Erderhitzung und Verlust an Biodiversität vor Augen geführt – so wurde die Idee geboren, ein musikalisches Zeichen zu setzen für die vielfach bedrohte Natur und ihren Schutz. 

Naturkonzert 2026 - Chor International Potsdam in der Golmer Kirche


Denn ohne Rosskastanien, Maiglöckchen, Bienen und Schmetterlinge, Igel oder Kuckuck wäre die Welt nicht nur stiller und eintöniger; die gesamte Menschheit wäre bedroht. Zugleich weisen wir mit der aktuellen Auswahl der Lieder – getreu unserem Namen – auf die so unterschiedlichen Kulturen in der Welt hin. Auch sie sind vielfach gefährdet, manche sehr direkt durch Raubbau an und Zerstörung der Natur. Das gilt etwa für das indigene Volk der Kraó aus Brasiliens Regenwald, die wir mit dem fulminanten Stück „Tres Cantos Nativos“ von Marcos Leite würdigten. Eine Hälfte der großzügigen Spenden des Konzertpublikums soll den Kraó zugutekommen, die andere aus aktuellem Anlass den Erdbebenopfern in Venezuela.

Neben der Hitze, die zur Natur gehört und in dieser Intensität doch nicht naturgemacht ist, war noch ein weiterer Umstand des Auftritts bemerkenswert: Zum ersten Mal überhaupt sangen wir sämtliche 15 Lieder in gemischter Aufstellung – Sopran neben Bass, Tenor neben Alt, eine ganz lockere und zufällige Formation. Unser musikalisches Naturgemälde wurde dadurch noch bunter und lebendiger. Uns Singenden hat das großen Spaß gemacht – tatsächlich hören das Publikum als auch der Chor selbst seine Klangfarben auf diese Weise deutlich besser, über die jeweils eigene Stimmlage hinaus. Und unser Leiter Eugen hat mit viel Geduld und Energie etwas erreicht, was er schon lange anstrebte!Nach dem Auftritt und Gesprächen mit Gästen, Freunden, Verwandten saßen wir noch eine Weile vor der Kirche, freuten uns über den allmählich aufkommenden Wind und beobachteten die Wolkenberge, die auf Abkühlung hoffen ließen. Und tatsächlich, wie bei den vorangegangenen Naturkonzerten, klappte es auch diesmal mit der musikalischen Regenbeschwörung, nur mit leichter Verzögerung: Am späteren Abend ging über Potsdam ein Gewitter nieder. Es zeigte noch einmal, wozu die Natur fähig ist.