Die Vorbereitungen und besonders die Proben waren intensiv – von der Sommerpause direkt in den Endspurt! Wobei die Sommerpause nicht nur Pause war, denn die verschiedenen Stimmen probten separat und organisatorisch wurde an allem getüftelt, von Postern und Festschrift zum Konzertablauf bis zur Feier nach dem Konzert. Die sehr ambitionierte, abwechslungsreiche Liedauswahl sorgte für Achterbahn-Gefühle bei den Proben – besonders die Probe vor der Generalprobe war gefühlt eher freier Fall als gen Himmel zu fliegen. Aber nach intensiven Nacharbeiten war dafür unsere Generalprobe laut unserem Chorleiter „eine intensive und schöne Generalprobe, was für ein Klang, toll!“ Das mag auch der anspornenden Anwesenheit der ehemaligen Chormitglieder zu verdanken gewesen sein, die nebenan probten und zwei Lieder mit uns gemeinsam sangen.

Der 20. September war ein wunderschöner, sehr warmer Spätsommertag. Das Neue Palais prunkte und überall im Schlosspark flogen die Bienen und Hummeln – sehr passend zu unserem Lied „Bumblebee“, das einige Sängerinnen und Sänger immer wieder vor sich hinsummten. Das Technik-Team war schon seit 14 Uhr dabei, die Akustik im Audimax der Universität Potsdam für uns zu optimieren. Für dieses Konzert bekamen wir außerdem professionelle Unterstützung durch einen Tontechniker. Nach Kurzdurchlauf und vorsichtigem, aber langwierigem Herumgeschiebe zur endgültigen Aufstellungsfindung auf der Bühne gab es noch eine „Traineransprache“ von Eugen auf dem Gang vor dem Saal, als wir auf unseren Aufgang warteten – mit viel Motivation und Gefühl, wie es eben seine Art ist. Und dann ging es los!
Fast zwei Stunden insgesamt, mit Würdigungen, Erinnerungen, Überraschungen und vor allem – Musik. Von den 16 Liedern in 10 Sprachen kam beim Publikum besonders gut „Gede Nibo“ an, ein rasantes und von Perkussionsinstrumenten begleitetes Voodoo-Lied aus Haiti, das auch durch Eugens Vorgabe, dabei ekstatisch zu tanzen, eine besondere Energie verströmte. Zur Zugabe „Faith“ von Stevie Wonder waren dann fast alle auf den Beinen und tanzten mit uns. Für uns war es sehr besonders, die zwei schönen Lieder „Irish Blessing“ und „An die Musik“ von Franz Schubert gemeinsam mit den ehemaligen Chormitgliedern zu singen. Hubert, ein extra angereister ehemaliger Mitsänger, hielt eine bewegende Laudatio. Es war genau so, wie es in den Reden gesagt wurde: Der Chor lebt durch seine Gemeinschaft, von Anbeginn an. Dankbar gedachten wir dem verstorbenen Chorgründer Wolfgang Puwalla. Aber auch neuere Entwicklungen wurden gewürdigt – unsere eigene Band und musikalische Begleitung, der unnachahmliche Pianist Michail Zigutkin, dem wir Arrangements und manchmal auch Klavierbegleitung verdanken. Und natürlich Eugen Zigutkin, der uns leitet, Arrangements schenkt und dafür sorgt, dass wir nie stillstehen, dass wir uns immer weiterentwickeln und über uns hinauswachsen. Wir konnten beim Auftritt auch Eugen überraschen – mit seinem eigenen Arrangement vom Queens-Hit „Love of my Life“, umgedichtet für ihn zu „Songs of our Lives“, dirigiert vom Bass Matthias und mit einem emotionsgeladenen Solo von Sopranistin Ella. Danach brauchte Eugen ein bisschen Zeit, um sich wieder zu sammeln… Was für ein Erlebnis, was für eine Geschichte, was für ein Klang von Vielfalt, den wir gemeinsam mit unseren Gästen feiern durften!

Auch bei der anschließenden Feier im Norden Potsdams gab es Live-Musik, zwischen feinem arabischem Buffet, Kuchen und Wein: ehemalige und aktuelle Chormitglieder sangen solo, im Duett und im Quartett hübsche kleine Stücke. Eugens zweiter Chor „Heimatsounds“ ließ mit seiner ukrainischen Sängerin ein ergreifendes Lied aus ihrer bedrohten Heimat erklingen. Eugens Vater Michail Zigutkin überraschte uns und sogar seinen Sohn mit einem ganz besonderen Geschenk: Für unseren Chor hatte er in den Sommermonaten „As Time Goes By“ (bekannt aus dem Film „Casablanca“) arrangiert, das er uns am Piano vorspielte. Ob das Stück wohl Teil unseres Neujahrskonzerts werden wird?


